Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Marburg-Biedenkopf e. V.

ADFC-Fahrradklimatest im Landkreis: Radfahrende fordern weitere Anstrengungen

Ergebnisse des Fahrradklimatests im Kreisgebiet bezeugen positive Entwicklung, unterschiedliche Stärken und Schwächen der Gemeinden

Ein Radschutzstreifen wird von Pkws blockiert, während eine Radfahrerin in die Mitte ausweichen muss.
Infrastruktur muss nicht nur vorhanden sein, sondern auch respektiert werden (Symbolbild). © ADFC / Gerhard Westrich

Der ADFC Marburg-Biedenkopf sieht in den jüngst veröffentlichten Ergebnissen des ADFC Fahrradklimatests 2024 Licht und Schatten. So schneiden die im Kreisgebiet in die Wertung aufgenommenen Gemeinden Cölbe, Fronhausen, Gladenbach, Marburg, und Weimar (Lahn) insgesamt ausreichend ab. Während Marburg mit seiner Note stagnierte (Platz 2 von 6 in Hessen, Note 3,7), kommen die erstmals bewerteten Gemeinden Cölbe, Fronhausen und Gladenbach auf die Noten 3,4, 3,6 und 4,0 (Plätze 3, 13 und 37 von 69 unter den hessischen Gemeinden unter 20.000 Einwohnenden). Weimar (Lahn) (Note 3,8, Platz 21 von 69) verbesserte sich leicht im Vergleich zum vorherigen Fahrradklimatest 2022 (zuvor Note 3,9).

 

Mangelndes Interesse der Gemeinden?

Der Fahrradklimatest belegt, dass die Radfahrenden im Kreisgebiet insgesamt noch großen Verbesserungsbedarf sehen: Zwar schneiden die einzelnen Gemeinden im Vergleich durchaus respektabel ab. Die Benotung selbst ist mit bestenfalls „befriedigend“ aber mehr als ausbaufähig. „Insofern ist es zu begrüßen, dass zuletzt sowohl die Gemeinden, als auch der Landkreis Radverkehrskonzepte aufgelegt und verstärkte Anstrengungen für einen verbesserten Radverkehr unternommen haben. Diese Planungen müssen nun konsequent umgesetzt werden“, so Marcus Kieslich vom ADFC Marburg-Biedenkopf. Die im Fahrradklimatest gesammelten Daten stellen hierfür ein wichtiges empirisches Grundgerüst dar. „Wir freuen uns daher mit unserer Kampagne im letzten Herbst für einen Teilnahmerekord gesorgt zu haben“ so Kieslich. „Die Unterstützung der Gemeinden für diese Abstimmung war jedoch sehr unterschiedlich: einige unterstützten das Anliegen und veröffentlichten etwa Artikel in Gemeindeblättern. Andere verhielten sich neutral, mitunter wurde unsere Arbeit für eine bessere Kenntnislage der Radverkehrssituation allerdings auch behindert. Dieses mangelnde Interesse am Radverkehr kritisieren wir deutlich.“

 

Ergebnisse der Gemeinden im Überblick

Marburg hat ebenso wie im Jahr 2022 die Note 3,7 erhalten. Auch die Stärken in der Einzelbewertung sind wie in der Vorausgabe die Verfügbarkeit öffentlich nutzbarer Fahrräder bzw. der Fahrradverleih, die Zahl der in Gegenrichtung geöffneten Einbahnstraßen und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Bemängelt werden wie im Fahrradklimatest 2022 die Breite der Radwege und die Führung an Baustellen, außerdem wurde im aktuellen Fahrradklimatest die unzureichende Falschparkenkontrolle auf Radwegen kritisiert.

Cölbe hat erstmals genug Stimmen für eine ausführliche Auswertung des Fahrradklimatests gesammelt und sogleich mit einer Note von 3,4 den dritten Platz unter den 69 bewerteten Gemeinden unter 20.000 Einwohnenden des Landes Hessen belegt. Positiv bewertet werden die Erreichbarkeit des Gemeindezentrums, die Möglichkeit, zügig voranzukommen, sowie ein hoher Spaßfaktor. Als Schwächen identifizieren die Radfahrenden die aktuelle Fahrradförderung, die Falschparkenkontrolle auf Radwegen sowie eine unzureichende Werbung für das Radfahren.

Marcus Kieslich: „In Cölbe wird die relativ positive Bewertung durch ein Konzept zur Radverkehrsentwicklung sowie eine hauptamtliche Stelle zur Radverkehrskoordination untermauert. Diese werden von den Radfahrenden selbst jedoch nicht in ausreichendem Maße als wirkungsvoll wahrgenommen. Die Gemeinde hat zudem als einzige im Kreisgebiet an der parallel stattgefundenen ADFC Kommunalbefragung teilgenommen, die die strukturellen Bemühungen der Gemeinden aufzeigt.“

Auch Fronhausen ist zum ersten Mal Teil der Auswertung und erreicht mit der Note 3,6 Platz 13 von 69 in seiner Größenkategorie. Auch in Fronhausen werden die Erreichbarkeit des Gemeindezentrums und der Spaßfaktor hervorgehoben, auch geringe Probleme mit Fahrraddiebstählen werden gelobt. Wie auch in Cölbe wird die Fahrradförderung bemängelt, der unzureichende Winterdienst auf Radwegen und insbesondere ein Mangel an öffentlich zugänglichen Fahrrädern bzw. an Fahrradverleihangeboten.

Gladenbach erhält bei seiner ersten Aufnahme in den Fahrradklimatest die Note 4,0, was Platz 37 von 69 entspricht. Geringe Probleme mit Fahrraddiebstahl, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und wenige Konflikte mit Fußgängern sind Stärken von Gladenbach. Schwächen sind die Fahrradförderung in letzter Zeit, das Werben für das Radfahren und wie in Fronhausen insbesondere ein Mangel an öffentlich zugänglichen Fahrrädern bzw. an Fahrradverleihangeboten.

„Gladenbach hat unter den bewerteten Gemeinden des Kreisgebiets die niedrigste Bewertung erhalten, hat zugleich aber auch die schwierigste Siedlungsstruktur mit vielen Ortsteilen in hügeliger Landschaft. Gerade vor diesem Hintergrund ist das ambitionierte städtische Radverkehrskonzept zu begrüßen, das die Gemeinde zuletzt beschlossen hat“, so Kieslich.

Weimar (Lahn) kann sich im Vergleich zu 2022 leicht von der Note 3,9 auf 3,8 verbessern, was Platz 21 von 69 bedeutet. Als Stärken werden wie zuvor der Spaßfaktor, die Wegweisung für Radfahrer und neuerdings die Erreichbarkeit des Gemeindezentrums aufgeführt. Ebenso wie in der Vorausgabe wird die Führung an Baustellen kritisiert. Im aktuellen Fahrradklimatest schneiden zudem die Fahrradförderung in letzter Zeit und die Falschparkenkontrolle auf Radwegen schlecht ab.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf unserer gleichlautenden Pressemitteilung, die auch im Bereich “Presse” aufgerufen werden kann.


https://mr.adfc.de/neuigkeit/adfc-fahrradklimatest-im-landkreis-radfahrende-fordern-weitere-anstrengungen

Bleiben Sie in Kontakt